Endlose Strände, traumhafte Sonnenuntergänge und atemberaubende Wasserfälle. Das ist Bali. Zumindest behaupten das Internet, Instagram und Co. Meine Erwartungen an die Insel der Götter waren hoch. Wurde ich enttäuscht?

Mein Urlaub auf Bali konnte nur ein Flop werden, denn die Erwartungen waren unfassbar hoch.

Die Bilder, die Erzählungen, die vielen Insta-Stories – alles was du über die Trauminsel lesen, sehen und hören kannst, ist ein einziges, riesiges Versprechen: Hier ist das Paradies!

Ich muss zugeben, dass das Reiseziel Bali in meinem Kopf sehr lange rumgespukt ist. Viel länger als andere Reiseziele. Sowohl mein Jobwechsel als auch der von meiner besseren Hälfte bremsten uns mit unseren Reiseplänen etwas aus.

Deswegen hing mir dieser „Traum“ lange genug nach, dass ich genug Zeit hatte, meine Erwartungen jeden Tag ein bisschen höher zu schrauben.

Weiße, endlose Traumstrände, Infinity-Pools, Cocktails bei Sonnenuntergang – glaubt man Pinterest und Instagram, ist Bali genau das. Zwischendurch noch mit dem ein oder anderem Tempel gespickt.

Finde ich das Bali, das ich suche?

Ist es das?

Angekommen in Seminyak, der erste Stop der Reise, kommen erste Zweifel auf.  Der Verkehr ist wahnsinnig chaotisch, das Taxi braucht für sechs Kilometer zum Hotel fast zwei Stunden und die Suche nach einem ersten Abendessen endet mit Chips und Bier am Hotelpool. Ich fliege nicht um die halbe Welt, um dann zwischen Pasta, Burger und Steak zu wählen. Das ganze serviert in einem „Pub“ vor einem Rugby-Spiel auf Leinwand und das bei voller Lautstärke. Nicht mein Ding. 

Am nächsten Abend sammelt sich an der Bar unseres kleinen Hotels eine Partyrunde. Lautstark wird debattiert, in welchen Club es denn nun wann geht. Ich sitze nachdenklich auf meiner kleinen Terrasse vor meinem Zimmer. Klar, ich ziehe auch gerne um die Häuser, aber irgendwie passte die laute Stimmung und der viele Alkohol nicht zu meiner Vorstellung von Bali.

Will ich hier verlängern, wie ursprünglich geplant? Das Hotel ist perfekt. Kleine hübsche Zimmer mit eigener Veranda und ein toller Pool für die morgendlichen Schwimmrunden. Und überall Räucherstäbchen, die einen fantastischen Duft verteilten. Aber das hier ist nicht das Bali, was in meinem Kopf so lange gelebt hat. Also ziehe ich weiter.

Der nächste Stop Canggu. Direkt am Strand ein großer Beach-Club. Musik schallt mir laut entgegen, als ich meinen ersten Spaziergang durch den feinen Sand mache. Oh, bitte nicht schon wieder diese unerträgliche Radio-Pop-Allerwelts-Musik!

Aber nach einigen Metern ist davon nichts mehr zu hören und endlich bekomme ich ein Gefühl für diese Insel. Ein paar schnuckelige Strandbars in Form kleiner Holzbuden reihen sich aneinander, große Sonnensegel flattern über den Sitzsäcken, die davor stehen, im Wind und die musikalische Untermalung mit leisem Reggae passt auch viel besser zu mir. Und zu Bali. 

Ich genieße einen ganzen Nachmittag Sonne, Wind und frische Säfte. Lächelnd beobachte ich auch die anderen Touristen. Weniger hippe Klamotten und mehr Shorts und Flipflops umgeben mich. Das passt wesentlich besser zu mir.

Erwartung und Realität: In Ubud ganz anders als gedacht

Nach einigen Tage fahre ich weiter nach Ubud – das Yogaparadies auf Bali. Die Straßen sind tagsüber richtig voll, aber wenn die Busse mit den Tagestouristen abgefahren sind, dann wird Ubud richtig gut.

Hippies neben Yogis, Familie neben Soloreisenden und überall kannst du richtig gut indonesisch essen.

Die Reisterrassen unmittelbar um Ubud bieten perfekte Spazierstrecken und auf dem Nachhause-Weg im Dunkeln werde ich von Glühwürmchen begleitet. So kann Bali also auch sein.

Orts- und sogar Inselwechsel: Ich verliebe mich auf der Stelle in Nusa Lembongan. Im nördlichen Teil der Insel sind die Touristen deutlich weniger als im Süden, der Inselladen um die Ecke hat alles notwendige und das Internet ist richtig schlecht. Ich bin im Paradies und viel zu schnell vergeht hier die Zeit zwischen Fahrradtouren, Schnorcheltrips und Nasi Goreng mit Blick aufs Meer.

Zurück auf Bali verbringen ich meine letzten Tage auf der Bukit-Halbinsel im Süden. Mit dem Roller erkunde ich die Strände, suche und finde leckeres einheimisches Essen und probiere sogar den selbst gemachten Alkohol, den die Jugend hier scheinbar trinkt. Auch die Polizeikontrolle kann mir nicht mehr die Laune verderben.

Wie ist das also jetzt, mit den Erwartungen?

Erfüllt. Zu mehr als 100 Prozent. Aber doch aus ganz anderen Gründen als vorher gedacht. Ich schwamm nicht in den Infinity-Pools, ich trank auch keine Cocktails (mag ich eh nicht) und ich habe auch nicht zu lauter Musik in den Beach-Clubs getanzt.

Ich lag im Sand und brachte den jeden Tag mit ins Hotelzimmer. Ich bin früh ins Bett und noch früher aufgestanden. Ich habe gelesen, Hörbücher und Musik gehört und beim ruhigen Abendessen tolle Gespräche geführt.

Ich habe auch nicht in schicken Villen mit aufblasbaren Einhörnern im Pool gewohnt, dafür aber allen meinen Gastgebern bei ihren täglichen Ritualen zugesehen, über deren Herkunft und Zukunft gesprochen und neue Freunde gefunden.

Bali – du schöne Insel. Und doch ganz anders als gedacht

Ich hatte nie die Nase voll von Reis, weil er in jedem Lokal und in jeder Gegend ganz anders schmeckt.

Und ich war nicht auf der Suche nach dem perfekten Foto für Instagram. Sondern schaue mir die unperfekten und dafür umso realistischeren jetzt an.

Bali hat mich erschreckt, begeistert, eingefangen und nur ganz schwer wieder losgelassen.

Und es hat mir eines ganz klar gezeigt: Hier kann jeder den Urlaub verbringen, den er braucht. Honeymoon in schicker Villa. Familienurlaub mit Sandburgen. Yoga-Retreat mit veganem Essen. Partynächte in den Clubs. Strand und guter Schlaf im Guesthouse. Jeder ist willkommen und jeder akzeptiert den anderen.

Bali ist sicher keine große Insel, dafür unglaublich vielseitig.

Ich habe keinen einzigen Tag verschwendet und meine Unterkünfte und meine Ausflüge und mein Essen waren genau richtig. Für mich. Und für dich findest du deine richtigen Unterkünfte, deine Ausflüge und dein Essen.

Alles ist auf dieser kleinen Insel möglich. Und das ist auch gut so.

Wie sind deine Erfahrungen mit Bali?

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10 thoughts

  1. Liebe Magdalena, Danke für den so wunderbar differenzierten Artikel. Schon lange möchte ich gerne mal nach Bali, bin aber immer mal wieder unsicher. Zumal wir mittlerweile mit 6 Personen fliegen müssten und dann auch noch in den Sommerferien, da wird es natürlich auch teuer. Trotz Deiner kritischen Worte klingt Bali super. Oder gerade deswegen, nicht nur das Instagram Bali. In welchem Monat warst Du da? Viele Grüße, Dagmar von http://www.flipflopblog.de

  2. Hallo Dagmar,
    liebe Dank für deinen Kommentar! Ich kann dein Zögern verstehen, das ging mir ähnlich. Und trotzdem würde ich jedes Mal wieder hin, es ist also keine „abgehakte“ Insel für mich.

    Das mit den Sommerferien ist ja für jedes Land immer nicht so toll. Ich glaube zwar, dass Bali dann immer noch günstiger als manch anderes Land ist, aber sicher nicht so günstig wie angepriesen. Ich war im Mai da, gerade raus aus der Regenzeit, aber noch keine Hochsaison. Deswegen hielten sich die Menschenmassen sehr in Grenzen (außer an den üblichen Spots). Eine Freundin war aber im August/September und fand es auch total in Ordnung, obwohl das eher zur Hochsaison zählt. Kann man also durchaus machen!

    Hab ein schönes Wochenende!
    Magdalena

  3. Super mal einen weniger verherllichenden Bericht über Bali zu lesen! In letzter Zeit habe ich immer wieder negative Geschichten gehört, dass vor allem viele australische Party-Touristen dort sind. Hast du auf der Insel Nusa Lembongan eventuell Surfer gesehen? LG, Tamara

    1. Hi Tamara,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Das mit den australischen Touristen kann ich ein bisschen bestätigen. Sie sind definitiv da und ja, sie können auch feiern. Aber dass es an den Stränden so zu geht, wie ich es aus diversen Ballermann-Dokus kenne, kann ich nicht bestätigen.

      Auf Lembongan kann man auch surfen, allerdings muss man dafür deutlich weiter raus paddeln. Das Wasser in Strandnähe ist sehr ruhig. Lembongan ist auch eher bei Tauchern beliebt. Aber in meinem Guesthouse waren 3 Surfer, die jeden Vormittag unterwegs waren. Es geht also definitiv und ist weniger voll als auf Bali.

      Meld dich, wenn du noch weitere Fragen hast!

      Liebe Grüße
      Magdalena

  4. Ich war vor vielen Jahren auf Bali, da war es noch sehr ruhig. Daher habe ich es in sehr schöner Erinnerung. Ich war schon öfter geschockt, wenn man Jahre später wohin reist, wo es einst ganz idyllisch war. Der Massentourismus ist manchmal echt grausam. Dein Beitrag bestätigt mir was Reisende erzählen. Trotzdem bleibt die Insel schön! Lg. Gabi

    1. Hallo Gabi,
      schön, dass du dich auch zu Wort meldest. Ich kenne auch die Erzählungen von Freunden und Bekannten, die schon vor vielen Jahren auf Bali waren, die genau das gleiche sagen, wie du.
      Mir fehlt der Vergleich und ich bin gespannt, was ich in einigen Jahren sagen werden, wenn ich wieder Bali bereise.
      Aber wir sind uns einig: Es ist trotzdem eine wunderschöne Insel 🙂

      Liebe Grüße
      Magdalena

  5. Liebe Magdalena,
    Schön, dass deine Erwartungen nicht so ganz erfüllt wurden. Stell dir mal vor, du hättest den ganzen unerwarteten Rest verpasst! Und ich finde es toll, dass du alle Facetten beschreibst und auch einfach so zulässt. Clubs und Burger passen jetzt vielleicht nicht in die Erwartungen von balinesischer Authentizität. Aber sie sind halt auch ein Teil der Realität. Ich finde es total angenehm, dass du das nicht einfach abwertest, sondern eben erwähnst und stehen lässt.
    Ich bereite mich gerade auf eine Japan-Reise vor. Ich habe keine Ahnung und (noch) keinen Bezug zu dem Land, aber ich hab schon mal alles aufgeschrieben, was mir so in den Kopf kommt, wenn ich an Japan denke. Das hilft, es mal aus dem Kopf zu bekommen und die Offenheit, die du so schön demonstrierst, wieder zu erlangen.

    1. Hallo Laura,
      lieben Dank für deinen Kommentar. Ganz bewusst wollte ich Dinge, die ich so auf Bali nicht erwartet habe, wertfrei darstellen. Mein Bali ist eben nicht das Bali von anderen.
      Japan! Ich bin neidisch (im übertragenen Sinn, Neid ist schlecht). Ich hoffe, ich werde dazu was auf deinem Blog finden, weil das ein Land ist, was mich ganz arg fasziniert. Und wenn du es nicht öffentlich verarbeiten willst, dann werde ich dich privat anhauen 😉

      Liebe Grüße und viel Spaß bei deinen Vorbereitungen
      Magdalena

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