Bus fahren kann jeder…

Aber in Vietnam wird es mit einem Sleeper Bus zu einem Erlebnis.

„Die Straßen sind so furchtbar!“

„Der Fahrer fuhr zu schnell/schlecht/unruhig/unsicher!“

„Nie kam ich pünktlich an!“

Solche Stories hörst du oft. Das hat mich trotzdem nicht davon abgehalten, diese Erfahrung selbst zu machen. Ich würden lügen, wenn ich behaupte, dass meine Neugier die einzige Motivation dafür gewesen ist. Bist du erst einmal in Vietnam, stellst du schnell fest, dass

  1. das Land doch größer und weitläufiger ist, als du es dir vielleicht vorgestellt hast und
  2. der Bus das Transportmittel Nr. 1 ist. Vor allem preislich.

Die Entscheidung ist also gefallen, die Etappe Hue nach Hoi An – laut Maps 130 km und knappe 3 Stunden Fahrt entfernt – lege ich mit dem Bus zurück.

Doch wie wähle ich den richtigen Bus?

Auf der Straße reihen sich die Anbieter aneinander, jeder will dir den günstigsten Preis anbieten. Da ist Überforderung schnell vorprogrammiert. Ging mir nicht anders.

Ich wähle für die erste Busfahrt den einfachen Weg und frage im Guesthouse nach. Bustickets sind natürlich kein Problem und für 5$ werde ich für den nächsten Tag gebucht – Abholservice vom Hotel inklusive.

Und nun wird mein Staunen groß: Am Hotel werde ich mit einem 9-Sitzer abgeholt und im ersten Moment überfällt mich der Schreck. Auf diesem engen Raum muss ich jetzt wer weiß wie lange ausharren? Aber es kommt die Entwarnung. Nach nur wenigen Metern dürfen wir aus der Sardinenbüchse wieder aussteigen und warten auf den richtigen Bus.

Es wird wieder aufregend: Kommt jetzt ein alter, rostiger Veteran, der den Namen „Bus“ nicht mehr verdient? Nach ein paar Minuten kommt das Gefährt schon um die Ecke. Und siehe da, ich stehe vor einem absolut modernen Reisebus. Das Gepäck ist schnell verstaut, die Schuhe müssen wir vor Einstieg ausziehen und schon wieder schaue ich mich ungläubig um.

Erwartet habe ich einen Bus mit den gewöhnlichen Sitzreihen – wie zu Hause eben auch. Ich bekomme jedoch einen Sleeper Bus. Die Fahrt findet am Tag statt, will ich anmerken.

Hoi An – Vietnam

Was ist denn nun ein Sleeper Bus?

An alle kleinen Menschen da draußen: Eine der besten Möglichkeiten von einem Ort zum nächsten zu reisen, egal ob Tag oder Nacht.

An alle großen Menschen: Das wird kein großer Spaß für euch!

Der Bus hat Liegesitze. Die Beine befinden sich immer unter deinem Vordermann, während die Lehne in einer leicht aufrechten Position ist und im Winkel etwas verändert werden kann (ganz flach liegen geht allerdings nicht) Dazu gibt es ein kleines Fach hinter der Lehne, in dem man seine Schuhe verstauen kann. Leider auch nicht mehr, deswegen rate ich von zu viel Handgepäck ab. Vor dir befindet sich eine kleine Ablage für Kleinigkeiten wie Handy und Kopfhörer und ein Getränkehalter. Wer jetzt zwei Meter Beinfreiheit erwartet, den muss ich enttäuschen, der durchschnittliche Vietnamese ist eben auch kleiner als wir es in Deutschland sind.

Vor jeder Fahrt gibt es noch ein Erfrischungstuch, eine Flasche Wasser und auch eine dünne Decke, die man bei der Klimaanlage braucht, vor allem wenn man nachts fährt.

Ich muss zugeben, die Zeitangabe von google Maps ist etwas zu optimistisch. Auch wenn die Strecke nur 130km lang ist, gibt es gerade auf der Strecke von Hue nach Hoi An einiges an Höhenmetern zu erklimmen und wieder abzusteigen, das ist für einen Reisebus nicht bei Tempo 100 zu schaffen. Dazu wird noch eine Pause von ca. 30 Minuten eingelegt, so dass man auch die Möglichkeit hat, unterwegs etwas zu essen. Ingesamt wird diese Strecke mit 4 Stunden berechnet. Und siehe da: Auf die Minute pünktlich rollen wir auf den Parkplatz in Hoi An.

Ich bin begeistert!

Ich habe auch alle meine weiteren Strecken ausschließlich mit dem Bus bewältigt und wurde nie enttäuscht. Zudem habe ich mir die ein oder andere Übernachtung gespart, weil ich durch die Nacht gefahren bin. Damit gestehe ich: Ich gehöre eher zu den kleinen Menschen.

Die Abfahrt erfolgte immer pünktlich. Wir erreichten jedes Mal on time das Ziel. Wasser und Decken werden ebenfalls verteilt und für die Pausen werden Flipflops gestellt, so dass man theoretisch seine Schuhe nicht aus dem Fach kramen muss (Naja, das bleibt dann jedem selbst überlassen). Die Busse, mit denen ich unterwegs war, waren weder zu alt noch hatte ich das Gefühl, dass der Fahrer zu schnell und unsicher fuhr. Für alle, die es so erlebt haben: Nicht jede Fahrt mit dem Bus in VIetnam ist eine Höllentour.

Straßen Vietnam / RichardX via pixabay

Aus der Flut an Anbietern habe ich mich im weiteren Verlauf der Reise letztendlich für The Sinh Tourist entschieden, die Busverbindungen durch ganz Vietnam anbieten. Ticket-Offices gibt es in allen größeren Städten und eine Buchung online ist ebenfalls möglich. Die meisten Strecken werden mit dem Sleeper Bus bewältigt, es gibt allerdings auch die klassischen Busse mit aufrechten Sitzen. Dazu gibt es auch das beliebte Open Bus Ticket, was einmal bezahlt für ganz Vietnam gilt.

Hier wie auch mit den Tickets für einfache Strecken gilt: Einen Tag vorher reservieren, die Busse sind in der Regel voll. Allerdings gibt es pro Tag mehrere Verbindungen.

Jetzt noch meine ultimativen 10 Tipps, damit deine Reise mit dem Bus so entspannt wie möglich wird:

  1. Mindestens einen Tag vorher reservieren, entweder persönlich oder online
  2. Nur wenig Handgepäck mitnehmen, da der Platz beschränkt ist
  3. Eine Koje unten auswählen (Es gibt Kojen am Boden und darüber, ähnlich wie in einem Hostel-Mehrbett-Zimmer und den Stockbetten. Und ja, du kannst auswählen). Dort kannst du den Boden neben dir als zusätzliche Ablage nutzen
  4. Eine Koje am Fenster buchen. Dort kannst du es dir gemütlicher machen
  5. Vorher aufs Klo! Die Busse haben keine Toiletten. Allerdings werden Pausen eingelegt und wenn es doch dringend ist, einfach dem Fahrer Bescheid sagen. Und zur Not in den Busch gehen
  6. Toilettenpapier oder Taschentücher bereit halten. Die „Raststätten“ sind zwar nicht so unhygienisch wie erwartet, aber Toilettenpapier gibt es leider trotzdem nicht
  7. Nachtfahrten buchen und damit Übernachtungskosten sparen
  8. Handy einstecken und das immer vorhandene Wifi nutzen
  9. Eventuell Tuch oder Schal einstecken oder gleich eine lange Hose anziehen. Die Sitze sind aus Kunstleder und dadurch an nackten Beinen nicht wirklich angenehm
  10. Kissen einpacken. Die gibt es nämlich nicht und damit machst du es dir erst so richtig bequem

Wie du am besten dein Ticket buchst

Wie oben erwähnt, bietet the SinhTourist in jeder Stadt ein Office, in dem du direkt deine Tickets buchen und auch mit allen Kreditkarten bezahlen kannst. Dazu gibt es das Online-Portal, auf dem du sämtliche Verbindungen und Abfahrtszeiten sehen und direkt buchen kannst.

Wenn dir diese Webseite zu unübersichtlich ist, empfehle ich dir eine Buchung über Baolau*. Die Website ist einfach und klar strukturiert, Zahlungen sind mit allen gängigen Kreditkarten möglich und darüber hinaus werden dir auch die alternativen Reisemöglichkeiten mit dem Zug und mit dem Flugzeug angezeigt. Einfacher geht es also nicht.

Hast du noch weitere Tipps für eine entspannte Busfahrt? Ich freue mich über deinen Kommentar.

©Titelbild Nubia Navarro / Unsplash

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