Eine Zugfahrt, die ist lustig…

Eine Zugfahrt, die ist laut. Aber dazu später mehr.

Da für mich als langsam Reisende Inlandsflüge nur im Notfall in Frage kommen, waren meine Transportmittel der Wahl in Vietnam der Zug und der Bus.

Zug fahren ist jedoch in Vietnam etwas anders als bei uns in Deutschland. Damit du bei deiner Zugreise nicht rätseln musst, was passiert, zeige ich dir die Unterschiede:

Von Dong Hoi nach Hue

Geplante Fahrzeit: 4 Stunden

Bei der Buchung der Tickets stehen Hard Seats und Soft Seats zur Auswahl. Aber was bedeutet das?

Hard Seats hält sicher, was es verspricht. Obwohl ich die persönlich nicht ausprobiert habe, erscheinen mir die Holzbänke, die ich durch das Fenster des Abteils gesehen habe, als genau das: hart. Für kurze Strecken und Low-Budget sicher empfehlenswert.  Ich entscheide mich aber im Vorfeld für die etwas teuerer Variante mit Soft Seats.

Aber auch die sind nicht mit unseren Sitzen im Zug vergleichbar. Allgemein etwas dicker und gepolsterte als die der Deutschen Bahn und Co. verspricht es eine gemütliche Fahrt zu werden.

Foto via Unsplash

Das Abenteuer beginnt jedoch schon am Bahnhof. Während du es gewohnt bist, direkt am Bahngleis zu warten, ist das in Vietnam anders. Als ich aus der Wartehalle auf das Gleis treten will, werde ich von einem Bahnmitarbeiter aufgehalten. Ich gehe im ersten Moment davon aus, dass er mein Zugticket kontrollieren will. Will er auch, aber danach weist er mich zurück in die Wartehalle. Der Blick auf das Bahngleis bestätigt jedoch meine Vermutung: Warten in der Wartehalle und auf das Gleis darfst du erst, wenn dein Zug auch wirklich der nächste ist.

Ist die Wartezeit also überbrückt und der Zug fährt ein, suchst du dir schon draußen den richtigen Wagen. Und wenn du den nicht direkt findest, wird dich der Schaffner, der an jedem Eingang steht, zu deinem richtigen Wagen lotsen. Denn einsteigen und dann durch den Zug spazieren ist zwar möglich, wird aber nicht praktiziert. Ach ja, und dabei wird gleich beim Einsteigen dein Ticket kontrolliert.

Nachdem du dein Erstaunen, dass jedes Zugabteil einen eignen Schaffner hat, überwunden hast, wird es gleich noch besser. Sind alle eingestiegen, was ziemlich zügig passiert und wohl dafür verantwortlich ist, dass der Zug pünktlich abfährt, dreht der Schaffner seine erste Runde und verteilt erst mal Wasserflaschen und Decken. Ja genau, kostenlose Wasserflaschen. Ist also ein kleiner Unterschied zum 3,60€ Wasser im deutschen Zug.

Hanoi – Vietnam

Du hast deinen Durst gestillt und die Decke um deine Beine geschlungen (Klimaanlagen sind auch in vietnamesischen Zügen zu kalt eingestellt!), nun lässt du die Landschaft an dir vorbeiziehen und wirst so langsam schläfrig. Und jetzt kommt’s: Du willst ein Schläfchen halten? Kein Problem, stell’ die Lehne deines Sitzes einfach nach hinten.

Sorge, dass dein Hintermann keinen Platz hat? Unbegründet. Handelt es sich um einen Vietnamesen, ist sein Sitze schon längst umgeklappt und er schläft friedlich. Handelt es sich um einen Backpacker, ist das oft seine Übernachtungsmöglichkeit und er schläft auch. Und selbst wenn die Person hinter dir nicht schläft, es ist ausreichend Platz zwischen den Sitzen und damit weit mehr als im Flugzeug.

Du wunderst dich, was denn nun eigentlich der Job des Schaffners ist, wenn die Tickets schon beim Einsteigen, eigentlich sogar schon beim Betreten des Bahngleises kontrolliert werden? Er verteilt weiter Wasser, denn ist deines leer, bekommst du natürlich noch Nachschub. Und ab und zu wird dein Schlaf von einem sanften Kehrgeräusch unterbrochen, da die Züge nicht mit Teppich ausgelegt sind und daher in regelmäßigen Abständen vom Schaffner gefegt werden.

Und jetzt kommen wir zur lauten Zugfahrt. Damit meine ich nicht die Mitreisenden, die laut schnattern. Tun sie nicht, die meisten schlafen, egal ob Tag oder Nacht. Auch der Zug an sich ist nicht lauter als wir es aus Deutschland gewöhnt sind. Jedes Zugabteil bietet Entertainment. Hört sich nach mehr an als es ist. In Wirklichkeit hängen alle paar Meter Fernseher von der Decke, die Unterhaltungsshows zeigen – ich bin mir sicher, dass ich die vietnamesische Variante von „Der Preis ist heiß“ sehen – und hören durfte. Die Lautstärke ist nämlich so hoch, dass dir kaum eine Chance bleibt, es nicht zu hören. Und der Fernseher läuft leider die ganze Zeit.

Abhilfe schaffen natürlich Ohrstöpsel oder Musik.

Tickets kaufen oder buchen geht übrigens ganz leicht. Du kannst natürlich direkt in deiner Unterkunft fragen, dann wird dein Ticket für dich organisiert. Oder du stattest dem Bahnhof – am besten einen Tag vor Abfahrt – einen Besuch ab und kaufst dein Ticket direkt am Schalter. Oder du buchst ganz einfach online und bis zu 90 Tage im Voraus.

Hanoi – Vietnam

Die offizielle vietnamesische Plattform ist www.dsvn.vn. Auf der findest du das Streckennetz sowie die Fahrpläne. Tickets kaufen kannst du dort allerdings noch nicht, da keine ausländischen Kreditkarten akzeptiert werden.

Daher ist die einfachste Art, online zu buchen, die englischsprachige Plattform Baolau* auf der du live die noch buchbaren Tickets sehen kannst. Gleichzeitig werden dir auch die passenden Bus- und Flugverbindungen angezeigt, die du dort ebenfalls direkt buchen kannst. Beachte: Für dein Zugticket benötigst du als Reisender aus dem Ausland unbedingt deinen Pass.

Die Tickets sind immer nur für die gebuchte Strecke und am gebuchten Tag gültig. Die Möglichkeit, einen Zug später zu nehmen oder wie bei dem bekannten Open-Bus-Ticket für den Bus deine Strecke zu unterbrechen und an einem anderen Tag weiter zu fahren, gibt es nicht.

Ich erreiche vier Stunden später – auf die Minute pünktlich den Bahnhof von Hue und bin begeistert. Sieht man von der Fernsehunterhaltung ab, lohnt eine Zugfahrt in Vietnam auf jeden Fall. Preis und Leistung stimmen hier mehr als überein.

Welche Erfahrungen mit dem Zug in Vietnam hast du gemacht? Ab damit in die Kommentare.

 

©Titelbild Hoach Le Dinh / Unsplash

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