Sehenswürdigkeiten in Tier – ganz anders als erwartet

Verwundert schaue ich auf das Ding hinunter. Ehrlich jetzt? Ich schüttele verwirrt den Kopf, meine Augen sehen etwas, mein Gehirn erkennt es auch, aber ich verstehe es trotzdem nicht.

Ich blicke mich um, die Straße ist sonst leer. Nicht überraschend an einem verregneten Sonntag im November. Der auf einen verregneten Samstag folgt. Und der auf einen verregneten Freitag. Kalt ist es auch.

Ich blicke wieder nach unten, verwundert. Ich wage einen zaghaften Schritt nach vorne, strecke meine behandschuhte Hand aus und berühre es. Echt jetzt. Vor mir steht eine echte, originale Parkuhr.

 

Funktionierende Parkuhren – In Trier atmest du Vergangenheit

Willkommen in Trier!

Ich gebe zu, ich bin nicht jung genug, um nicht zu wissen, was das ist. Aber wann ich das letzte Mal eine gesehen habe, weiß ich nicht. Benutzt schon gar nicht, das war definitiv vor meiner Führerscheinzeit.

Dass es in Trier allerlei Altes zu sehen gibt, war mir schon vor dem Wochenendtrip bewusst. Ich dachte dabei an die Porta Nigra, die im krassen Gegensatz zu den modernen Geschäften zu Beginn der Fußgängerzone thront. Mit ihren Gängen in den oberen Stockwerken, deren Wände mit in den Stein gemeißelten Verzierungen geschmückt sind, die so viele Jahre überdauert haben.

Ich dachte an Kaiserthermen, zum Teil verfallen, zum Teil gar nicht erst fertig gestellt und trotzdem imposant. Wo einst die Römer entspannt flanieren sollten, finden heute Theateraufführungen mit bis zu 650 Zuschauern statt. Wo einst das Wasser aufbereitet und in Heizkesseln auf die richtige Temperatur gebracht werden sollte, kann man heute durch die unterirdischen Bedienungsgänge spazieren, sich sogar ein bisschen gruseln und spannende Fotos machen.

Aber ich dachte nicht an solche Raritäten wie … Parkuhren.

Ich schlendere Richtung Fußgängerzone, will dem Regen und der Kälte wenigstens für ein paar Minuten entfliehen. Bäckereien finde ich hier, kleine Bars und Cafés, wie in jeder Fußgängerzone eben.

Wieder bleibe ich stehen. Wieder verwundert. Ehrlich jetzt? „Café 1900“ lese ich auf dem Schild und blicke durch die Scheiben ins Innere. Neben einer langen, alten Kuchentheke erkenne ich kleine, runde Tischchen mit den passenden Stühlen. Mit dieser nostalgischen Gemütlichkeit kann kein modernes Restaurant mithalten. Ich trete ein.

Café 1900 – echte Sahne zum Kakao

Wann hast du eigentlich zum letzten Mal echte, richtige, fette Sahne zu deinem Kakao bekommen? Ich schwebe auf Wolken.

Aufgewärmt laufe ich weiter und bin schon bald am Markt angekommen. Und wieder muss ich anhalten. Ehrlich jetzt? Ich bin erstaunt, denn Trier hat etwas geschafft, was in vielen deutschen Innenstädten kaum noch möglich ist: Den Charme erhalten.

Ich drehe mich im Kreis und betrachte die vielen Häuser mit ihren bunten und gepflegten Fassaden. Die kleinen Fenster blicken zu mir zurück, die modernen Geschäfte im Erdgeschoss fallen fast gar nicht auf.

Sehenswürdigkeiten in Trier: Die charmante Innenstadt

Ich verlasse die Fußgängerzone, spaziere durch kleine Seitengassen mit vielen Bars, hier ist abends sicher was los. Doch weit komme ich nicht, bevor ich wieder stoppen muss. Habe ich denn nicht schon genug Verwunderung gehabt, an diesem sonst so unschuldigen Sonntag Vormittag? Ehrlich jetzt?

Ich trete näher an das Schaufenster, lese die „Preistafel“: Wasserwelle ab 15€. Dauerwelle ab 65€. Keine Foliensträhnen. Und dass man im Salon Heisinger noch heute eine Wasserwelle bekommt, glaube ich sofort.

Ich spähe in den dunklen Friseur und sehe Trockenhauben, so richtig alte. Die kenne ich nur aus Filmen. Seit 1950 hat sich hier wohl kaum etwas verändert und das wird es auch nicht mehr. Eine kleine Perle, die den Kampf um Preis und das modernste Aussehen unter den Friseursalons bisher erfolgreich bestanden hat. Schade, dass heute schon mein letzter Tag ist. Eine Wasserwelle hätte ich hier auf jeden Fall probiert.

Salon Heisinger – Wasserwelle inklusive

Ich fühle mich auf Zeitreise. In die Vergangenheit, denn schließlich bin ich hier in der ältesten Stadt Deutschlands und sie bietet mehr als nur die römischen Überbleibsel.

Meine Füße tragen mich weiter, auch vorbei an modernen Einkaufszentren und breiten Straßen. Das gibt es hier natürlich auch. Und während ich gedanklich noch bei meiner imaginären Wasserwelle bin, sehen meine Augen etwas grelles. Der gelbe Farbtupfer bei all dem Regen heute, ist nicht zu übersehen.

Doch wundern muss ich mich nicht mehr, denn das hat natürlich noch gefehlt, auf dieser Tour durch die Vergangenheit. Ich bleibe stehen, grinsend. Und noch während ich meine Kamera hebe und durch den Sucher schaue, denke ich:

Trier – ehrlich jetzt?

Reise in die Vergangenheit

Wenn du die Beweise meiner kleinen Reise in die Vergangenheit auch besuchen möchtest, hier findest du sie:

  • Parkuhr – Johannistraße/Ecke Feldstraße
  • Café 1900 – Brotstraße 27 – https://www.facebook.com/Cafe1900Trier/
  • Marktplatz – Hauptmarkt
  • Salon Heisinger – Jakobstraße – keine Webseite vorhanden, warum auch?
  • Telefonzelle – Konstantinstraße/ Ecke Konstantinplatz, an der Konstantinbasilika

Welche Sehenswürdigkeiten haben dich in Trier überrascht? Verrat es mir in den Kommentaren.

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2 thoughts

  1. Hallo
    Ich war ja zum Fasching in Trier und ich muß sagen – eine tolle Stimmung. Meine Freundin die in Trier wohnt, ist ja schon oft vom CAFE 1900 vorbeigelaufen , war aber noch nie drin – wir waren dann drinnen und waren beide begeistert. Wir haben die Ham & Eggs gegessen – so lecker – ich hab die Mozartschokolade mit Likör *schmatz*
    An ein paar Tagen mußte sie ja auch arbeiten, da hab ich mir die Stadt angeschaut und war auch in der Porta Nigra drin.

    Grüße Sandra

    1. Hallo Sandra,
      wie toll, dass ihr dem Café eine Chance gegeben habt – ich fand’s da drin auch so unglaublich toll. Generell fand ich Trier aber auch spannend und die Stadt bietet wirklich mehr als vielleicht auf den ersten Blick zu sehen ist.

      Liebe Grüße
      Magdalena

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