Als es an die Planung des Trips durch den Westen Amerikas ging, stand Las Vegas ganz sicher nicht an erster Stelle. Klar, musst du auf jeden Fall gesehen haben. Wenn du schon mal „drüben“ bist, dann solltest du das nicht verpassen. Das waren meine Gedanken zur Stadt, die angeblich niemals schläft.

Die Meinungen von Freunden und Familie, die Las Vegas bereits besucht hatten, konnten nicht unterschiedlicher sein. Von „Das musst du unbedingt sehen!“ über „Ja, mir hat es auch ganz gut gefallen“ zu „Was ein Quatsch“ war eigentlich alles dabei.

Wie kannst du dich jetzt also darauf vorbereiten? Soll ich dir überhaupt empfehlen, dich vorzubereiten? Du denkst sicher: Was kann ich da schon sehen? Kennt man ein Casino, kennt man alle und Geld verspielen ist nicht mein Ding!

Die Flut an Informationen, an Tipps und Do’s and Don’t über Vegas ist überwältigend. Ich entschloss mich damals, mich nicht vorzubereiten. Ich wollte mich einfach auf das Abenteuer einlassen.

Und jetzt kann ich dir sagen: Am Ende ist alles ganz anders als erwartet.

Die Casinos sind alle gleich

The „D“ – Las Vegas

Nein, sind sie nicht. Klar, in allen reihen sich Spieltautomaten und Roulette-Tische aneinander. In allen verspielen die Zocker ihr Geld und hoffen doch auf den großen Gewinn. In allen wird geraucht und getrunken. Und doch hat jedes seinen ganz eigenen Charme. Während im MGM Grand, im Paris Las Vegas und im Caecers Palace die Klamotten schicker und die Einsätze höher sind, siehst du im New York New York und Excalibur gerne auch die Schlappen und kurzen Hosen. Und im Circus Circus tummeln sich neben Familien mit Kindern (keine Panik, die findest du nicht am Roulette-Tisch, sondern bei den Zirkusvorführungen) auch jede Menge Oldies, die noch mit den Silber-Dollar-Münzen an den Einarmigen Banditen sitzen.

Drinks sind teuer!

Ja, das sind sie. Ein Corona an der Casinobar kostet dich gerne über 7$. Einen Cocktail zu bestellen, habe ich mich dann gar nicht mehr getraut. Aber jetzt kommt’s: Sitzt du an einem Spielautomaten oder an einem der vielen Tische, lassen die Damen vom Service nicht lange auf sich warten. Bestellen kannst du alles, vom Wasser über Bier zu Cocktails. Und bezahlen musst du dafür: Rein gar nichts. Solange du spielst, sind alle Drinks for free. Und dabei macht es keinen Unterschied, ob es nur die Slot-Maschine ist, in die du alle halbe Stunde 1$ investierst. Oder ob du am Poker-Tisch dein halbes Monatsgehalt in Jetons vor dir liegen hast. Willst du mehr als nur einen Cocktail schlürfen, solltest du das Trinkgeld für den Service nicht vergessen. Dann vergessen dich auch die netten Damen nicht und für Nachschub ist gesorgt.

Das Weg-Bier gibt es nur in Papptüten

Da muss ich dich enttäuschen. Wenn du eine Papptüte zu deinem Bier willst, musst du extra nachfragen und auch hoffen, dass der Verkäufer eine hat. In Las Vegas gelten offensichtlich andere Gesetze. Während du im restlichen Amerika noch nicht mal mit deinem Drink den Club verlassen kannst, um frische Luft zu schnappen, interessiert das in Las Vegas niemanden. Bier, Longdrinks oder auch Cocktails in überdimensionierten merkwürdigen Behältnissen – all das siehst du hier direkt auf der Straße, egal ob Tag oder Nacht.

Ich brauche einen Mietwagen – oder zumindest ein Taxi

Das mag auf viele Städte in den USA zutreffen und auch wenn Las Vegas kein Metro-System und natürlich jede Menge Taxis hat – zumindest auf dem Strip reichen dir ein Paar bequeme Schuhe. Will man vom Circus Circus zum Excalibur laufen, ist man ungefähr eine Stunde unterwegs. Und wer noch etwas Kraft übrig hat, der läuft am Excalibur vorbei, lässt das Luxor und das Mandalay Bay rechts liegen und ist auch schon nach kurzer Zeit am berühmten Las Vegas Sign. Manchmal geht dir für den Rückweg die Puste aus. Auch da musst du nicht auf ein Taxi hoffen. Der Strip ist vom Mandalay Bay Hotel bis nach Downtown Las Vegas sehr gut an den Bus „The Deuce“ angebunden. An jeder Haltestelle gibt es einen Automaten, an dem du für wenig Geld ein Ticket lösen kannst und schon ist dein Weg zurück ins Hotel gesichert. Kleiner Tipp: Nimm oben Platz, da ist die Aussicht sehr viel besser und oft sind auch noch genügend Sitzplätze frei. Der untere Teil des Busses täuscht mit seiner geringen Größe.

The Strip – Las Vegas

Alles kostet in Las Vegas Geld

Hotels: ja. Essen: ja. Taxis und Busse: ja. Aber! Las Vegas bietet dir so viel mehr zu sehen, ohne auch nur einen müden Cent dafür zu bezahlen. Jeder hat sicher schon davon gehört, so spektakulär kann es auch gar nicht sein, der Brunnen vor dem Bellagio. Und wenn du dann doch das erste Mal – am besten abends bei Dunkelheit – davor stehst, langsam Dampf über den See wabert, die ersten Töne von Frank Sinatras „Fly me to the Moon“ oder auch Elivs’ „Viva las Vegas“ erklingen und die Fontänen in den dunklen Himmel schießen, dann stehst auch du vermutlich staunend davor und kannst dich nicht lösen. Das ganze Spektakel ist natürlich gratis und du kannst es den ganzen Tag und bis Mitternacht bestaunen. Oder du schlenderst weiter bis vor das Mirage und schaust dir einen Vulkanausbruch an. Kleiner Tipp: Ganz vorne wird es schon sehr heiß, ist ja schließlich ein Vulkan. Wer es etwas weniger aufregend will, der kann im Bellagio die Botanischen Gärten bestaunen, die je nach Saison gestaltet werden. Oder du schlenderst durch das The Venetian und schaust den Gondeln auf dem Ganale Grande zu. Du siehst, nicht alles kostet in Las Vegas Geld.

In Las Vegas wohnen nur reiche Leute

Das stimmt leider nicht. Auch wenn sich das bis hier hin alles nach jeder Menge Spaß und glücklichen Menschen anhört, so gibt auch hier jede Menge arme Seelen. In der Regel wirst du als Tourist damit nicht konfrontiert. Aber wenn du viel zu Fuß unterwegs bist, dann fallen dir – oft auf den brückenähnlichen Übergängen an den Straßen oder zwischen den Hotels – hilfsbedürftige Menschen auf. Einige versuchen sich ein wenig Geld durch Musik zu verdienen, bei vielen kannst du aber auch nur die kurze Lebensgeschichte – ob wahr oder nicht – auf den Pappschildern lesen. Fakt ist, egal ob aus Spielsucht, Drogenabhängigkeit oder auch einfach nur Pech. Spätestens jetzt wirst du daran erinnert, wie privilegiert wir leben. Auch wenn du in Las Vegas natürlich alles mit Karte bezahlen kannst, an dieser Stelle kannst du wunderbar dein Wechselgeld los werden. Für uns sind es nur kleine Beträge, aber für jemand anderen bedeutet das vielleicht die nächste Mahlzeit.

New York New York – Las Vegas

Die Stadt, die niemals schläft

Das habe ich erwartet und weißt du was? Das stimmt auch. Egal, um welche Uhrzeit du dich in Vegas befindest, es gibt immer sehr viele andere Menschen, die noch mit dir wach sind. Die zum Essen gehen oder von da kommen, die aus den Clubs torkeln oder in den nächsten wandern, die von einem Spieltisch zum nächsten wechseln. Die Lichter sind immer an, die Bars und Buffets haben immer offen, die Menschen sind immer auf der Straße unterwegs.

Las Vegas hat viele Spitznamen. Ob zum Beispiel „Sin City“ stimmt oder nicht, das musst du alleine herausfinden. Aber dass hier die Lichter niemals ausgehen kann ich dir bestätigen.

Erwartung vs Realität

Wenn ich jetzt noch einmal darüber nachdenke, welche Erwartungen ich an Las Vegas hatte und auch was mir andere über diese Stadt erzählt haben, dann komme ich zu keinem Ergebnis. Denn ich kann vieles verstehen. Ich verstehe die, die sagen, dass sie mit dieser künstlichen Metropole mitten in der Wüste nichts anfangen können. Ich verstehe die, die sagen, dass man dieses bunte Treiben einmal gesehen haben muss. Und ich verstehe die, die von Las Vegas gefesselt werden.

Mich haben das Laute und das Bunte auch in seinen Bann gezogen. Ich verspiele gerne ein paar Dollar an den Slots, schlendere durch die Casinos und schlürfe dabei einen Cocktail. Deswegen rate ich dir: Probier es einfach aus, denn aus den Erzählungen der anderen wirst du dir darüber kein Bild machen können. Dafür ist die Stadt einfach zu einzigartig.

Wie hat dich Las Vegas überrascht? Ab damit in die Kommentare.

 

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