Japan hat mich schon immer fasziniert. Nach dreieinhalb Wochen kann ich sagen: Die Faszination bleibt – obwohl mich das Land nicht direkt gepackt hat.

Japan – ein Brief

Ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich mit meiner Geschichte anfangen soll. Vielleicht, als Japan überhaupt ins Gespräch kam?

Bei der Planung der Asienreise kam Japan zwar immer wieder auf. Doch der Gedanke wurde schnell verworfen. Zu teuer, einfach zu teuer.

Doch ganz verabschieden wollte ich mich nicht. Die ersten sparsamen Monate und eine schon fast vergessene Finanzspritze (die Rückzahlung der Wohnungskaution soll man doch immer für Reisen ausgeben, oder?) gaben letztendlich den Ausschlag: Japan – ich komme!

Dreieinhalb Wochen besuchte ich das Land, doch es zu beschreiben fällt mir unfassbar schwer.

Ein Versuch:

Japan, du bist so krass! Vor allem krass geordnet! Nach drei Monaten im geliebten Chaos von Vietnam bin ich fast erschlagen von dir.

Ich kann einfach bei Grün über die Straße gehen und muss keinem Roller ausweichen.

Ich muss immer und immer wieder einen Mülleimer suchen, aber trotzdem liegt fast nichts auf der Straße.

Ich mache mir keine Sorgen, wenn der Andrang an der Kasse oder an der Metro groß ist, denn alle stehen ja geduldig an.

Deine Bewohner sind höflich und respektieren meine Privatsphäre. Vielleicht schon zu viel, weil ich kaum in Kontakt treten kann. Auch die unerwartete Sprachbarriere ist sicher mit Schuld daran, denn Englisch ist nicht so verbreitet, wie angenommen.

Du bist leise. Vor allem in der Metro. Du bist laut, vor allem in der Pachinko-Halle.

Du bist voller Natur, vor allem im Nara-Park mit deinen Rehen und Hirschen. Du bist eine Betonwüste, vor allem in Tokio.

Du bist modern, vor allem mit deinen Hochhäusern in deinen großen Städten. Du bist traditionell, vor allem in den Seitenstraßen mit den kleinen Tempeln.

Du bist so viel, ich kann dich kaum fassen.

Erster Kontakt: Osaka

Ich bin durch die Straßen Osakas geschlendert und habe zum ersten Mal deine Atmosphäre aufgenommen. Ich habe deinen Glico Man direkt an der Dotonbori-Brücke bewundert, bin entlang des Tombori River Walks spaziert und habe die Schilder deiner Restaurants bewundert. Ich habe die ersten Tempel erkundet und die Stille genossen. Ich habe sogar Sushi probiert (mit der Erkenntnis: Ist auch in Japan nicht meins).

Kyoto: Ein Traum wird wahr

Ich bin weiter nach Kyoto gereist und habe endlich das Geisha-Viertel besucht, über das ich schon so viel gelesen hatte. Ja, das war touristisch und trotzdem genial. Beim Anblick meiner ersten Geisha musste ich mich fast kneifen. Ich war wirklich hier!

Ich habe die 1000 roten Tore des Fushimi Inari besucht. Schon der Hauptschrein am Eingang ist einfach gigantisch. Die vielen japanischen Besucher verraten: dieser Ort ist auch für die Einheimischen ganz besonders. Die Luftfeuchtigkeit beim Aufstieg durch die Tore ist enorm, meine Haare kleben sofort an mir. Aber je mehr Treppen ich nehme, desto weniger Menschen begleiten mich. Ein wunderbarer Moment.

Die Stadt der Rehe und Hirsche: Nara

Ich mache mich auf nach Nara, um die Rehe zu besuchen. Die Geschichten stimmen wirklich! Die Rehe verbeugen sich und erwarten als Belohnung meine Kekse. Die sind schneller leer als mir lieb ist, aber der Nara-Park bietet mehr als nur seine süßen Bewohner. Ich genieße die breiten Wege, die Schreine, die Landschaft aus weiten Wiesen, dichten Bäumen und viel Wasser.

Tokio – ich bin sprachlos

Den Abschluss machte Tokio. Ich habe Fotos im Golden Gai gemacht, ein kleines Pubviertel mit winzigen Bars. Ich bin mehrmals über die Shibuya Crossing gelaufen, die wohl berühmteste Straßenkreuzung der Welt. Ich habe die bunten Lichter von Akihabara bestaunt, ein Stadtviertel für Zockerfans und Elektronikliebhaber. Ich habe Tokio von oben betrachtet und bei Nacht erkundet.

Du hast mich fasziniert, aber…

Japan, du hast mich fasziniert, das kann ich nicht anders sagen. Aber du warst mir auch ein bisschen zu korrekt, zu ordentlich.

Ich liebe das Chaos von Südostasien mit dem Verkehr, der Hitze, dem Lärm. Ich liebe Garküchen und am Straßenrand essen. Ich liebe Gedränge, auch wenn ich mich nicht gut behaupten kann.

Trotzdem denke ich so oft an dich und obwohl ich dich besucht habe, bleibt diese Faszination. Ich erwische mich dabei, wie ich Dokumentationen über dich sehe und mentale Notizen mache. Das will ich noch sehen. Da will ich auch nochmal hin.

Japan, es war mir ein Fest. Du bist eine lebendige Erinnerung und irgendwie weiß ich, dass wir beide noch nicht fertig sind!

Wie sind deine Erfahrungen mit Japan?

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