Gemüse, Reis, Gewürze – Vietnams Essen ist eine Wucht. Aber ist es auch scharf, wie viele behaupten?

Ich rieche Curry. Ich rieche gebratene Nudeln. Ich rieche knuspriges Hähnchen. Und ich habe Hunger.

Das Backpacker-Viertel in Ho Chi Minh City – hier treffen sich alle.

Backpacker Viertel in Saigon – Photocredit Lim Eng via Unsplash

Die, die schon seit Wochen oder gar Monaten durch das Land reisen, sitzen mit Anfängern an engen Tischen und erzählen von ihren Erlebnissen.

Die Einheimischen schieben die mobilen Essenstände von Lokal zu Lokal und kommen immer wieder mit den Besitzern und Kellnern ins Gespräch.

Ich stehe mitten drin, sauge die Eindrücke an meinem letzten Abend in Vietnam noch einmal auf. Aber ich habe auch Hunger – und zwar richtig.

Ich laufe durch die Straßen, schaue nach links und nach rechts und suche einen Platz, der mir gefällt.

Heute will ich nicht an der Straße sitzen, umgeben von vielen anderen Reisenden. Ich möchte aber auch nicht abgeschieden essen, denn ich will so viel Vietnam wie nur möglich aufnehmen.

Da ist es! Der perfekte Ort für diesen Abend und die Abschiedsstimmung.

Zwischen den vielen anderen Restaurants – fast etwas versteckt – stehen die wenigen Tische dieses kleinen Restaurants. Aber das Beste: Das obere Stockwerk gehört auch dazu. Mit einem freundlichen Nicken weist mir der Besitzer den Weg zu der schmalen Wendeltreppe in den ersten Stock.

Oben angekommen muss ich grinsen. Genau das habe ich gesucht. Eine lange Theke entlang des offenen balkonartigen Geländers bietet einige wenige Sitzplätze mit Blick nach draußen. So bekomme ich meine Privatsphäre und kann trotzdem den Trubel und die Lebendigkeit des Viertels unter mir beobachten.

Eine junge Vietnamesin reicht mir die Speisekarte, während sie die Theke vor mir noch einmal abwischt. Schnell ist die Entscheidung gefallen: Gebratene Nudeln mit Shrimps und ein kühles Hanoi Beer sollen es heute Abend sein.

Ich lehne mich auf die Theke vor mir und sehe auf die Straße. Gegenüber sind die Tische alle voll, auf den Tellern kann ich überwiegend westliches Essen erkennen. Pizza, Pommes und Co. bekommt man in Ho Chi Minh City reichlich.

Ich kann den Drang nach etwas Bekanntem verstehen, aber wirklich lecker ist anders. Jede Tiefkühlpizza aus dem heimischen Backofen würde diesen Wettkampf gewinnen. Aber jeder wie er mag.

Die Straße ist voll. Ältere Paare, junge Solo-Travaller, immer wieder die japanischen Reisegruppen – im Backpacker-Viertel treffen sie alle aufeinander. Hier kann man essen, shoppen, feiern. Für jeden ist gesorgt.

Hier findest du Hostels, Hotels, teure und auch weniger schnieke Rooftop-Bars und sicher keine Langeweile.

Auch ich fühle mich hier wohl, denke ich und nehme einen ersten Schluck meines kühlen Bier

Aussicht von oben –
Bitexco Tower

Ich habe viel gesehen. Ich habe die bekannte gelbe Post besucht und stand unter dem beeindruckenden Porträt von Ho Chi Minh. Ich habe mir die Oper angesehen und den imposanten Bau im französischen Kolonialstil bewundert. Ich war sogar auf dem Skydeck des Bitexco Financial Towers und habe Saigon von oben betrachtet.

Ich habe auf dem Ben Thanh Markt um T-Shirt-Preise gefeilscht, ich habe unbekannte, gebackene Köstlichkeiten von einer kleinen, alten Dame am Straßenrand gekauft und sogar ein paar kitschige Mitbringsel im Souverniershop ausgesucht.

Sehen kann man hier so einiges. Aber vor allem habe ich gegessen.

Es gab frische Pho zum Frühstück, aus der Garküche um die Ecke. Es gab frittierte Frühlingsrollen, die so köstlich waren, dass ich nochmal nachbestellen musste. Es gab gegrilltes Huhn mit Knoblauchreis, von dem ich nicht genug bekommen konnte. Es gab frisches Curry-Gemüse, an dem ich mir die Zunge verbrannt habe, weil ich nicht abwarten konnte, bis es kühler wurde.

Essen in Vietnam – ungewöhnlich, aber lecker

Da kommt mein Essen. Ein dampfender Teller voll gebratener Nudeln, an den Shrimps wurde wieder nicht gespart. Kein Vergleich zu den kleinen, gummiartigen Dingern zu Hause. Ich schnappe mir ein paar Stäbchen – nach dieser Zeit erscheinen mir Messer und Gabel völlig überflüßig. Selbst kleine Erdnüsse kann ich damit mittlerweile aufnehmen.

Die Nudeln sind noch irre heiß, ich hänge also noch etwas meinen Gedanken nach.

Was werde ich zu Hause als erstes essen, was vermisse ich am meisten? Vielleicht ein paar Bratkartoffeln. Oder einen großen frischen Salat. Oder ein Brot mit Käse – das gab es hier nämlich gar nicht.

Ich picke mit meinen Essstäbchen in meinem Essen, atme den Duft der Gewürze ein, will gar nicht mehr länger warten. Die erste Portion wandert in meinen Mund, ich kaue schnell, weil es noch zu heiß ist, schlucke.

Zu scharf? Photocredit Kyler Boone via Unsplash

Das Gefühl beginnt ganz unschuldig. Es kurzes Bitzeln auf der Zungenspitze, ein leichtes Brennen im Mund und plötzlich das Gefühl von Feuer in meinem Rachen. Ich lasse die Stäbchen fallen, greife nach dem Bier, nehme große Schlucke. Doch völlig vergebens, es hat mich erwischt und es brennt. So richtig.

Ich blicke nochmal in die Speisekarte, suche nach einem Hinweis, einer kleinen Chilischote, nach einem Anzeichen, dass ich das Essen hätte lieber nicht bestellen sollen. Nichts. Gebratene Nudeln. Shrimps. Fertig.

Die junge Vietnamesin kommt wieder vorbei, lächelt, will wissen, ob es mir schmeckt. Ich nicke schwach, versuche das Brennen in Mund und Rachen zu ignorieren und dabei trotzdem zu lächeln.

Ich nehme noch einen Schluck, bestelle direkt ein weiteres Bier nach. Ich weiß, dass es nicht wirklich helfen wird, aber ich kann nicht anders. Und trotzdem: Ich greife wieder nach den Stäbchen, nehme eine weitere Portion, kaue tapfer. Und gewöhne mich dran, weil es trotzdem einfach nur lecker ist.

3,5 Wochen Vietnam. 3,5 Wochen geniales Essen. Jedes ganz anders als das vorherige, jede Region mit ihren eigenen Gewürzen und Zubereitungen. Ich hatte keine Beschwerden, habe nicht die üblichen Verdauungsprobleme bekommen, weil das Essen angeblich so anders ist. Und zu scharf war es bisher auch nie! Dabei habe ich überall gegessen.

Essen in Vietnam bedeutet: Für jeden Geschmack ist was dabei

Ich hatte westliches Frühstück in Hotels, ich hatte Pho am Straßenrand. Ich habe Frühlingsrollen in fast jedem Lokal bestellt, ich wurde von einer Gastfamilie zum traditionellen Essen eingeladen. Ich habe auch mal westliches Essen haben wollen und wurde durch den faden Geschmack doch enttäuscht.

Also nehme ich es mit Humor und freue mich trotzdem über den tollen Spot, an dem ich sitze, die nette Bedienung, das gute Bier und vor allem über 3,5 geniale Wochen in einem fantastischen Land. Das Brennen wird sicher bald vergehen.

Verrate es mir: Wie hast du das Essen in Vietnam vertragen? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

8 thoughts

  1. Hallo Magdalena,
    sehr unterhaltsam geschriebener Artikel!
    Vietnam ist eines dieser Länder, wo ich auch gerne mal eine kulinarische Runde über die Märkte drehen würde ;-). Ich finde es immer spannend, was es so alles zu entdecken und probieren gibt, auch wenn manchmal etwas Mut gefragt ist.
    Viele Grüße,
    Torsten

    1. Hey Torsten,
      ich fand Vietnam eigentlich recht harmlos im „entdecken“. Das abenteuerlichste, was ich gesehen (aber nicht probiert habe) war ein Krokodil auf dem Grill. Das sah schon schaurig aus. Aber das traditionelle Essen Vietnams ist einfach unfassbar lecker und in der Regel auch nicht zu scharf 😉

      Grüße
      Magdalena

    1. Hi Kasia,
      ja ich weiß! Aber Milch ist in Vietnam eine ganz besondere Seltenheit, ich glaube das wird sogar importiert. Im einfachen Restaurant um die Ecke ist das gar nicht zu bekommen. Und bis man ein 7/11 oder so gefunden hat, der auch Milch hat, ist das Brennen schon vorbei 🙂

        1. Ich habe das auch erst in Vietnam so nach und nach festgestellt. Unter anderem weil es eben ab und an Werbeschilder gab, auf denen „Real Milk!“ stand – sehr witzig 🙂

          Aber ja, das Essen ist Vietnam ist wirklich eine Wucht und ich finde es ganz anders, als das asiatische Essen, was man hier bekommt Viel besser!

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